Rosemaries Baby

Mia Farrow in Rosemary's Baby

Als Ergänzung zu meinem Kommentar drüben bei Coldheats Film des Tages.

Gestern lief Rosemaries Baby auf arte. Meine Mutter meinte ich solle den anschauen, also tat ich das - moment! Wenn ichs mir genau überlege, sollte mich diese Empfehlung gerade von meiner Mutter beunruhigen…
Hm. 
 
Jedenfalls Rosemaries Baby. Ich hatte zwar schon immer eine Ablehnung gegen Horror-Filme, einfach weil ich den Reiz nicht sehen konnte, dass mich das Gesehene bis in die Träume verfolgen sollte. Ich hab eine ausgeprägte Fantasie. Aber ich bin älter geworden und hab eine grobe Vorstellung der Dinge da draußen und bisher bin ich noch über keine übernatürlichen Wesen gestolpert, also kann ich mit Horror dieser Art inzwischen eher umgehen. Und aus filmischer Sicht sind Filme wie Shining und Rosemaries Baby einfach zu sehr allgemeiner Konsens, als dass man sie ignorieren könnte.

Rosemaries Baby ist ja mehr Psychothriller als wirklicher Horror. Es gibt nur eine wirklich erschreckende Szene, die aber hat mich fast verzweifeln lassen. In dem Moment überlässt Roman Polanski einfach dem Zuschauer, was er aus der Sache machen will und das war in meinem Fall sehr beunruhigend. Nur schade, dass er kurz danach alles sehr klar auflöst. Das war ein Schritt zu viel, beruhigt zwar den Zuschauer letztendlich, aber es hinterlässt auch einen bitteren Beigeschmack des Films, der sich die ganze Zeit auf so hohem Niveau bewegt, dass er die Auflösung nicht braucht.

Mia Farrow spielt ähnlich wie Shelley Duvall in Shining eine Mutter, die ihr Kind beschützen will. Das geht soweit, dass sich beide Filme irgendwann in ikonischen Bildern spiegeln. Kubrick hat geklaut! Oder hommagiert. 
Beide Filme verdeutlichen aber so stark, dass diese Phase des New Hollywood - und ich würde beide einfach mal als Beispiele für Anfang und Ende dieses Abschnitts setzen - die stärkste in der Geschichte des Films war. Die Kombination aus Zelluloid-Film, Suchen neuer Ausdrucksweisen und Bildsprachen, Ausspielen der Stärken bewegter Bilder und fordernden Geschichten gab es in dieser Freiheit vom Geld- und Studiosystem einfach nicht mehr. Die Neunizger Jahre hätten mit dem digitalen Umbruch eine Chance gehabt den Blockbustern der Achtziger eine neue Sprache entgegenzusetzen. Stattdessen begann in dem Jahrzehnt schon der Wahn der Fortsetzungen, Sequels und Remakes, dem wir jetzt ausgesetzt sind. Klar, hier und da taucht Tarantino auf, vielleicht auch der späte Spielberg mit Schindlers Liste und Der Soldat James Ryan. Aber schon Jurassic Park zeigt, dass die Achtziger weiter lebten. Und dann kam Star Wars…
Beenden wir den kleinen Exkurs aber lieber, bevor hier fast jeder Beitrag in Star Wars abdriftet. 
 
Rosemaries Baby.
Es ist ein Film, den man nur ein Mal sehen sollte. Nicht wegen der fehlenden Spannung, aber ich glaube, dass er die Wucht verliert, wenn man ihn ein zweites Mal ansieht. Es passiert zu viel im eigenen Kopf während des Films, wenn man vom Ende noch nichts weiß. Und wenn man dann zum Ende kommt, klar ist das immer noch erschreckend, weil die Bilder so befremdlich sind, aber es fehlt leider das Mysteriöse.
 
Dennoch ein Film, der nachwirkt. Und ich gebe zu, dass ich zu wenig Polanski Filme gesehen habe. Ich werde mich durch seinen Katalog jetzt mal vereinzelt durchschauen. Chinatown steht als nächstes an. 

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